|
Nowa Huta 01.05. - 04.05.05 Sonntag in aller früh trafen sich 8 BG-Typen in den Plattenbauschluchten MD Nords, um gemeinsam die Reise nach Nowa Huta anzutreten. Zustande gekommen war der Kontakt eher zufällig übers Internet, wo die Kontaktleute nach regem Informationsaustausch über die jeweils andere Szene danach trachteten sich endlich kennen zu lernen. Die Fahrt verlief ohne besondere Vorkommnisse, im Pott strahlten jedoch die 16 Augen ob der Blöcke, Graffitis, einfach der Reise in die Vergangenheit in eine heile, gesunde, menschliche Welt. Nachdem man den Pott hinter sich ließ und Kraków erreichte, fing das Herz an höher zu schlagen. Gleich sollte es soweit sein, wir sollten 2 unserer Schwärme kennen lernen, die am Treffpunkt ins Auto sprangen und uns zur Unterkunft leiteten. Wie in einer Schnulze sah man sich von weitem, kam aufeinander zu und das Lachen sollte von nun an die ganze Zeit nie vergehen! Nun ging es nach Nowa Huta, die Ohren gespitzt, das Maul zu, die Augen weit auf - so folgte man dem Unterricht, wo wir uns grad befanden, welcher Verein hier regierte. Etliche Reviermarkierungen zierten die geilen Blöcke.Einfach nur unbeschreiblich, Erfüllung pur! In der Unterkunft angekommen klärten die Jungs die Förmlichkeiten, wir bezogen derweil Quartier und kamen aus dem Plappern gar nicht mehr raus. Die ersten Eindrücke, sie gingen tief!Es klopft an der Tür und herein kamen unsre Hutnik-Jungs mit leckerem Harnas. Hier musste erstmal was geklärt werden. Man wurde mit soviel Wärme und Herzlichkeit empfangen, natürlich wollte man auch was ausgeben, ohne dabei einen arroganten Deutschen zu schieben. Sie verstanden das, aber Goscinnosc wird hier mehr als groß geschrieben, so hatten wir keine Chance uns über diesen Weg zu revanchieren. Ausgetrunken und Sachen untergebracht ging es Richtung Suche Stawy, dem Stadion von Hutnik. Natürlich nicht, ohne noch mal den gegenüberliegenden Konsum aufgesucht und eiskaltes Tyskie bekommen zu haben. Nun ging es also los, alles aufsaugen, was nur möglich war. Die Blöcke erinnerten irgendwie an MD Alte Neustadt, immer wieder mit “Hutnik“, “Jebac Wisle“, “CHWDP“, “Hutnik ponad wszystko” Schriftzügen vollziert. Am Stadion angekommen wurde mit einem Vereinsverantwortlichen geklärt, dass wir ins Stadioninnere durften. Nach etlichen Erinnerungsfotos ging es in die Katakomben, wo uns alte Bilder erklärt wurden und zu guter letzt erhielt jeder eine Hutnik-Anstecknadel, welche in einer kleinen Schatulle in rotem Samt gesteckt war. Man konnte sich gar nicht genug bedanken. Was für ein Ehrgefühl. In Deutschland quasi undenkbar solche Führungen für Fans, geschweige denn für andere. Wieder einmal durfte die Seele auftanken. Dieses NH-Flair, diese Freundlichkeit, unvorstellbar.Nun musste aber auch die Besichtigung ein Ende finden und wir wurden zurück ins Quartier gebracht, um noch mal Zeit für uns zu haben. Abends sollt es dann auf dem Vereinsgelände einen großen Grillabend geben. Aber bis dahin wurde sich erstmal aufs Bett geschmissen und jeder ging in sich und musste die ganzen Eindrücke auf sich einwirken lassen, bis dann letztlich doch wieder ein reges Quatschen über gesehene Dinge stattfand. Inzwischen wurde der Balkon inspiziert und man konnte so weiter NH einatmen und die Leute beim Alltag beobachten. Sehnsucht nach alten Tagen… Wieder von den Jungs abgeholt ging es nun aufs Vereinsgelände, wo uns lecker Kielbasa erwarten sollte. Dass man aber kaum dazu kam, was zu essen, war logisch. Um die 40 Leute tummelten sich um den Grill, dass etliches Bier vernascht wurde ist klar, jedoch der sehr edle Hochzeitswodka, den jemand zu Haus stibitzte, muss hier seine Erwähnung finden. Englisch, Brocken aus Deutsch und Polnisch, Hände und Füße, Bier und Schnaps, das wurden die Kommunikationsmethoden des Abends und der weiteren Tage. Eine sympathische Mischung, sieht man von dem Englisch ab. Neben etlichen Erinnerungsfotos schießen gab es auch Gesangsduelle, wobei wir uns in der Lautstärke, aufgrund akuter Unterzahl, geschlagen geben mussten. Neben den Themen Fanszenen in Polen und Ostdeutschland rückte auch die Musik für den ein oder anderen in den Mittelpunkt. So tauschte man CDs von Hip Hop aus MD gegen feinsten Nowa Huta Hip Hop. Aber auch die härtere musikalische Schiene brachte Sympathisanten beider Lager zusammen. Irgendwann tief in der Nacht hatte auch dieser erste Abend und Tag in Nowa Huta sein Ende gefunden und so schlief man dann, natürlich vorher noch ein, zwei Harnas nehmend, ganz kuschelig ein. Morgenstund hat blablabla.. Also früh raus, dauerte trotzdem so seine Zeit bis der ein oder andre auf den Beinen stand (bzw. wieder stehen konnte). Wieder von unsren Freunden abgeholt gings per Tram in die Innenstadt, bissel Kultur sollte ja auch sein. Aber nur nicht zuviel… zeitig zurück ins Quartier, sollte doch für uns heute der erste internationale Freundschaftstestkick auf dem Programm stehen. Auf dem Vereinsgelände sollte die Paarung GT vs. BG heißen. NH natürlich mit Heimvorteil, kannten den Platz besser, hatten genug Auswechselspieler. So oder so ähnlich kann man dann argumentieren, wenn es darum ging, das Ergebnis zu begründen, verloren wir doch äußerst knapp und unglücklich 2-14. Der 2-14 Anschlusstreffer in der Schlussminute kam hierbei etwas zu spät. Experten sahen die GlobeTrotter einfach fußballtechnisch versierter, für uns war es der einzige Weg Dankbarkeit zu zeigen für Alles was uns entgegengebracht wurde… also ja! Farbe bekannte man an dem Abend auch, wurde doch auf Hutnik-Seite die HUTNIK-Fahne, auf unsrer die 1965-Fahne an den Zaun des Käfigs geflaggt. Im Laufe des Spiels schaute ein Hool von Hutnik vorbei, nicht ohne Kampfhund namens Fighter ;-) Er gab uns dann über einen GTer zu verstehen, dass wir und unsre 1965-Fahne im Viertel sicher sind und uns niemand anrühren wird. Nach dem man erstmal vor Respekt und Ehrgefühl schluckte, konnte man grad so ein “Ok” rausbringen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, welche Ehre man zuteil wurde. Man kann sich nur in diese Welt und diese Menschen verlieben! Doch an diesem Abend hatten wir, bzw. unser Geburtstagskind einen festen und von ihnen auch “anerkannten” Grund den Spieß umzudrehen und sie auf etliche Bier und Schnaps einzuladen. Nachdem vorher auf dem Stadiongelände schon polnische und ostdeutsche Geburtstagslieder zum besten gegeben wurden, ging es auf Stube in kleiner Anzahl feucht fröhlich weiter. Hier konnte dann im sportlichen Vergleich Suff + Vertragen MD deutlich zum 1-1 ausgleichen… Augen wieder auf, nun war Dienstag, heute sollte das Spiel zwischen Hutnik und Stal Rzeszów stattfinden, welche einen Nichtangriffspakt pflegen, auch Uklad genannt. Während der Großteil noch ausschlief und auf Stube rumlungerte, machten sich zwei Personen auf, um Nowa Huta zu erkunden. Um den Alltag zu schnuppern, Nowa Huta fühlen zu können. Nachdem auftanken ging es noch mal in die Innenstadt einen größeren Happen nehmen. Etwas verspätet zurück ging es schnell zum Suche Stawy. Die Jungs der GT bereiteten grad eine Trauerfahne per Dose an, da ein alter Fan zuvor starb. Nachdem man umsonst das Stadion betreten durfte, aber leicht kontrolliert wurde, schaute man beim Fahnen aufhängen zu und verglich deren rege Teilnahme daran und verglich es mit zu Haus, wo es an den selben wenigen Leuten hängen bleibt und die Hauptmeute kurz vor Spielbeginn aus der Kneipe eintrudelt… Nach kurzer Verwunderung, wann denn die Gäste kommen, erfuhr man, dass diese auf dem Weg hierher überfallen worden sind und den weiteren Weg nicht antreten durften. Zu Spielbeginn wurde dann dem verstorbenen Fan mittels einem Kreuz aus Bengalen gedacht. Große Ehre hierbei für einen von uns, durfte er doch eine Fackel halten! Man stolperte also quasi von einem Verlegenheitsgefühl, solch Ehre entgegengebracht zu bekommen, ins nächste. Der Respekt und das Wissen um die Wertigkeit solcher Dinge waren bei uns natürlich allgegenwärtig! Durch heftigen Regen wurde der Heimblock in der ersten Hälfte gespalten, viele suchten Schutz bei den Klos, dazu die Trauer um den verstorbenen Fan, also kein Support. In der zweiten Hälfte sammelten sich alle Sangesfreudigen nach und nach und es konnte eine durchaus gute Lautstärke erreicht werden, welche mit dem Tribünendach und dem damit verbundenen Widerhall einen passenden Abnehmer fand. Hutnik gewann das Spiel 1-0, 800 Zuschauer waren an diesem späten Dienstag Nachmittag zugegen, und 2 Gäste schafften es doch irgendwie in den Gästesektor. Nach dem Spiel gings zum Trocknen zur Unterkunft und man verabredete sich am letzten Abend zum Fußball schauen in einem Pub. Wieder mal von den Jungs abgeholt und hingeführt musste man aufgrund der nun stärker auf und ab fahrenden Polizei das Bier unterwegs versteckt halten, da es verboten ist, öffentlich zu trinken. Im Pub gabs dann wieder Alk und auch was zu rauchen gratis, Souvenirs wurden ausgetauscht, das Gesangsduell durfte nicht fehlen. Irgendwann wechselte man die Lokalität, die Leute von Hutnik-Seite gingen nach und nach, neue kamen hinzu. In jener Kneipe tauchte dann beim Abmarsch irgendwie ein Craxa-Typ auf, der ein Glas zerbrach und einem der Globetrotter die Wange leicht aufschnitt. Besagter Typ kam aber nicht weit und durfte seine gerechte Strafe entgegennehmen. Natürlich ohne ein Hilfsmittel, worauf Hutnik zuletzt viel wert legt eben keine Waffen, wie Wisla oder Craxa, zu benutzen. Es war der letzte Abend, am nächsten Morgen sollte es direkt nach Meuselwitz gehen, demnach musste man sich irgendwann trennen. Die beiden Autofahrer durfte man dann auf Stube entlassen, da das fit sein für die Fahrt ein akzeptiertes Argument für die Leute von Hutnik war. Die Runde lichtete sich mehr und mehr. Man verweilte nun vor einem Shop, trank genüsslich Bier, wie sollte es anders sein. Man sprach über die Befürchtungen seitens Hutnik, dass wir uns klischeemäßig vielleicht zu schade für die Unterkunft wären und man sich vielleicht allgemein nicht verstehen würde. Aber es passte einfach alles. Die Leute gaben sich soviel Mühe, das kann man gar nicht oft genug sagen und es ihnen danken. Soviel Menschlichkeit. Seelenmassage für jeden Ossi! Nun begab man sich zur Unterkunft laberte noch ein wenig und ein weiterer Teil unserer Besatzung ging zu Bette. Zwei Mann gingen noch mal zum Konsum mit den Jungs, man konnte sich einfach nicht trennen. Herzzerreißend! Aber nach etlichen Bier ging es ein zweites Mal zur Unterkunft, wo nach etwas morgendlichem Singsang der Abschied kommen musste. So haute sich der kleine Rest für ne Stunde aufs Ohr ehe es dann hieß: Zurück in den Alltag… Fazit dieser Tour ist überflüssig, der Bericht als Liebeserklärung an NH dürfte durchgedrungen sein ;-) ____________________________________________________________________________________________________ |